Frühbeete - vielfältig nutzbar

Mit freundlicher Genehmigung der Gartenakademie Reihnland Pfalz haben wir den
nachfolgenden Artikel dem Newsletter 07/2021 entnommen.
Frühbeete – vielfältig nutzbar
In manchen alten Gärten findet man manchmal noch ...
                                                                                               ... ein fest ummauertes oder mit einem
Betonrand umgebenes Beet und in der Ecke einige alte Fenster: die Reste eines Frühbeetes.
Heute bevorzugt man meist leichte Konstruktionen, die nach Bedarf auf- und abgebaut werden.
Als „Wanderfrühbeetkasten“ kann er das ganze Jahr dort eingesetzt werden, wo er gebraucht
wird: z.B. zur Anzucht der Jungpflanzen, zur Ernteverfrühung von Erdbeeren, zur
Ernteverlängerung für die Wintersalate. Die leichteste Form ist der Folientunnel. Dabei wird
über Metallbügeln eine Folie gespannt. Später können diese Bügel dann mit einem
Gemüsenetz bespannt werden und so Schutz vor Gemüsefliegen bieten. Recht einfach auf und
abzubauen sind Frühbeetkästen aus Kunststoffplatten, wie sie der Fachhandel aber auch
Discounter anbieten. Auch Eigenkonstruktionen aus Holzrahmen mit Folienbespannungen,
Stegdoppelplatten, Kunststoffplatten evtl. zusammen mit Luftpolsterfolie werden eingesetzt.
Hierzu findet man zahlreiche Bauanleitungen im Internet. Auch „fest gemauerte“ Beete haben
ihre Vorteile: Im Frühjahr sind sie Frühbeet, danach werden die Fenster abgenommen und als
Freilandbeet genutzt, im Herbst verwandeln sie sich mit ein wenig zusätzlicher Isolierung zum
Lager für Obst oder Gemüse.
Wie funktioniert ein Frühbeet?
Ein Frühbeet ist ein kleines Treibhaus. Die Sonnenstrahlen gelangt durch die Folie oder das
Glas ins Innere und heizen es auf, gleichzeitig sind die Pflanzen vor den kalten Winden
geschützt. Genau wie ein großes Treibhaus muss es gelüftet und ggf. durch eine Schattierung
gegen zuviel Sonne geschützt werden. Die Temperatur im Inneren sollte maximal 22 - 25°
erreichen. Eine Überhitzung tritt auf Grund des geringen Volumens relativ schnell auf. Ein
automatischer Fensterheber erleichtert hier die Arbeit. Regelmäßiges Gießen nicht vergessen,
denn das Frühbeet hat „Regenschutz“!
Kalt- oder Warmbeet?
Bereits mit einem Kaltbeet, d.h. einem Folientunnel oder einem Frühbeet, das nur durch die
Sonne erwärmt wird, hat man einen deutlichen Verfühungseffekt. Will man bereits im Februar
aussäen, braucht man eine wärmere Variante: Das Warm- oder Mistbeet. Hier wird die beim
Verrottungsprozess entstehende Wärme genutzt. Dazu muss das Beet ca. 80 cm tief
ausgehoben werden. Der Boden der Grube wird mit einer 5 cm dicken Laubschicht bedeckt,
darauf kommt 50 cm Pferdemist (Achtung: nur Mist von Pferden, deren Heu/Gras nicht von
Wiese stammt, die mit Herbiziden gegen Greiskraut behandelt wurden!) und eine erneute
Laubabdeckung. Den Abschluss bildet eine ca. 20 cm dicke Erdschicht. Diese „Bodenheizung“
liefert ca. 6 – 8 Wochen Wärme. Da es sehr früh und bei teils recht kühlen Außentemperaturen
genutzt wird, erfolgt eine zusätzliche Dämmung der Außenseiten und über Nacht auch der
Fenster.
Was ist zu beachten?
Das Frühbeet muss so hoch sein, dass die Pflanzen darunter Platz haben. Überlegen Sie daher
beim Kauf bzw. Bau, was Sie im Laufe des Jahres alles im Frühbeet unterbringen wollen. In
Töpfen vorgezogene Tomaten, die im Frühbeet abgehärtet werden, brauchen mehr Höhe als
Feldsalat!
Das Frühbeet muss an einer sonnigen, geschützten Stelle aufgestellt werden. Es wird in
OstWest-Richtung platziert, so dass die Sonne auf den schräg stehenden Deckel des Frühbeetes
trifft. Das Lüften sollte nicht nach der Hauptwindrichtung (zu kalt!) erfolgen.
Je kleiner das Frühbeet, desto stärker sind die Temperaturschwankungen. Durch rechtzeitiges
Lüften und Schattieren an sonnigen Tagen sowie Abdecken mit isolierenden Materialien (z. B.
Noppenfolie) in der Nacht und an kalten Tagen muss dies ausgeglichen werden.
Wie und was wird ausgesät?
Die Aussaat kann direkt in die Erde erfolgen. Zu den ersten Saaten (ab Februar) zählen:
Gartenkresse, Radieschen, Rettich, Frühsalat. Es folgt ab Mitte März Frühgemüse und die
Anzucht von Jungpflanzen. Letztere können auch in Saatschalen gesät und im Haus bei
höheren Temperaturen zum Keimen gebracht werden. Anschließend werden die pikierten
Pflänzchen im Frühbeet bei besseren Lichtverhältnissen und niedrigeren Temperaturen weiter
kultiviert. Dies bietet sich besonders bei wärmeliebenden Pflanzen an, wie z.B. Tomaten,
Paprikaarten, Gurken, Melonen, Zucchini. Sie können ab Mitte April ins Frühbeet und dort bis
nach den Eisheiligen bleiben. Falls das Frühbeet über Sommer nicht gebraucht wird, pflanzt
man den Paprika gleich ein. Insbesondere in kühlen, verregneten Sommern ist dies von Vorteil,
da es an diesem geschützten Standort warm und trocken ist. Im Herbst werden z.B.
Radieschen, Feldsalat und Endivien vor den ersten kalten Nächten durch Folientunnel oder
Frühbeetkasten geschützt. So kann die Vegetationszeit verlängert und auch bei leichten
Frösten noch geerntet werden.
Im Sommer wachsen wärmeliebende Kulturen wie Paprika im Frühbeet gut. Lüften nicht
vergessen! Unter Lochfolie ist es nicht so warm, dafür braucht seltener gelüftet und
gegossen zu werden!

eva.morgenstern@dlr.rlp.de      www.Gartenakademie.rlp.d